Das Fahrwerk deiner Maschine richtig einzustellen, ist nicht einfach. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten zur Individualisierung sowie einige Fallstricke, die deine harte Arbeit zunichte machen können. Es ist jedoch verlockend, auch die schwierigen Einstellungen selbst vorzunehmen. Denn je besser du dein Bike und seine Funktionsweisen kennst, desto besser. Und auch desto billiger – denn wenn du das Fahrwerk selbst einstellen und nachjustieren kannst, sparst du dir kostspielige Besuche in der Werkstatt. Es ist jedoch immer ratsam, das Fahrwerk gemeinsam mit einem Helfer einzustellen – denn bei manchen Dingen braucht man einfach mehr als zwei Hände oder muss an mehreren Stellen gleichzeitig sein.

Im ersten Schritt solltest du also die Gebrauchsanweisung deines Bikes aufmerksam durchlesen. Im zweiten Schritt kannst du dann einige Grundeinstellungen vornehmen, um deine Motocross besser kennenzulernen. Und im dritten Schritt kannst du dich dann an die Königsdrisziplin wagen: die Fahrwerkseinstellungen. Gehe hier aber in jedem Fall vorsichtig vor – wenn du dir bei etwas nicht sicher bist, ziehe lieber einen Experten zu Rate, anstatt etwas falsch zu machen. Und ganz wichtig: Prüfe alle neuen Einstellungen erst einmal während einer einfachen Probefahrt, bevor du dich auf einen schweren Parcous oder in ein Rennen wagst.

Von den Grundeinstellungen ausgehen

Gerade wenn du ein gebrauchtes Bike gekauft hast, hat der Vorbesitzer sicher schon einige Einstellungen vorgenommen. Abgesehen von seltenen Ausnahmen wirst du sicherlich bestimmte Dinge verändern wollen – am besten ist es dann, die Maschine komplett auf die Grundeinstellungen zurückzusetzen. Um dies zu erreichen, müssen alle Regler mittig eingestellt werden. So kannst du von den Werkseinstellungen ausgehend nacheinander mehrere Justierungen vornehmen und so schrittweise die perfekten Abstimmungen für deine Fahrweise finden.

Im nächsten Schritt musst du die Maschine auf dein Gewicht hin einstellen. Deine Größe spielt auch eine Rolle, allerdings mehr im Hinblick auf die Lenkerposition und die Fußrasten. Dein Gewicht spielt vor allem bezüglich der Federung deiner Machine eine zentrale Rolle. Wichtig ist dabei, dass du dich wiegen musst, während du deine komplette Ausrüstung trägst – vom Helm über den Beckengurt bis hin zu den Stiefeln – ansonsten ist die Zahl wertlos. Grundsätzlich gilt: Je schwerer du bist, desto härter muss die Federrate ausfallen.

Motocross Fahrwerk Durchhang: Stoßdämpfer und Vorspannung

Bild: H.Mitterbauer

Am wichtigsten ist dein Gewicht für die richige Einstellung des Stoßdämpfers. Dieser entscheidet darüber, ob du nach deinen Sprüngen sanft landest oder eher ungemütlich aufkommst. Am Stoßdämpfer errechnet man nun den Durchhang, aus dem sich die optimale Federrate ableiten lässt.

Der Durchhang ist dabei die Differenz aus zwei Messungen von der Hinterachse zur Kante des hinteren Kotflügels. Einmal, wenn die Maschine ohne weiteres Gewicht leicht angehoben ist und einmal, wenn sie belastet ist, also du auf dem Sattel sitzt. Der erste Wert ist dann der statische Durchhang, er sollte im Idealfall zwischen 30 – 35 mm liegen. Der zweite Fall ist der dynamische Durchhang, bei dem ein Wert zwischen 100 – 105 mm angepeilt werden sollte. Allgmein solltest du anstreben, dass der Durchhang immer etwa in der Mitte des möglichen Bereiches liegt. Ist bei der Einstellung des statischen Durchhangs, die immer zuerst passieren sollte, der dynamische Durchhang komplett anders als erhofft, so liegt ein Problem vor.

Wenn dein Bike also deutlich von den iedealen Werten abweicht, musst du eine neue Feder einbauen. Beim Unterschreiten des Wertes eine weichere, beim Überschreiten eine härtere. Da die meisten werkseitigen Federn für Personen von etwa 75kg Körpergewicht ausgelegt ist, dürfte es in vielen Fällen auf den Kauf einer neuen Feder hinauslaufen. Die richtige Härte ist dann durch das Handbuch oder mithilfe eines Fachverkäufers schnell gefunden. Hier kann es nicht schaden, wenn du dein Bike mit in den Laden nimmst und dich beraten lässt. Denn mit einer guten Feder steht und fällt dein Komfort beim Fahren.

Die Druckstufe: Stoßdämpfer und Gabel

Auch bei der Druckstufe, also der Dämpfung bei der Einfederung, gilt es, die richtige Balance zu finden. Sie bezieht sich sowohl auf den Stoßdämpfer als auch auf die Gabel und sorgt für zwei Dinge: Dass das Bike den Bodenkontakt nicht verliert und dass Unebenheiten abgefedert werden. Und genau hier liegt die Krux, denn wenn du dich zu sehr auf eine Richtung fokussiert, leidet die andere. Ist die Druckstufe zu hart, so kann dein Bike schnell den Kontakt zur Fahrbahn verlieren und du spürst viele Unebenheiten sehr stark. Ist sie zu weich eingestellt, so wird die Bodenhaftung zu stark und du verlierst leichter die Kontrolle über den Lenker.

Bild: H.Mitterbauer

Für die Druckstufe gibt es die Unterscheidung in „Low Speed“, also für Momente, in denen du langsam fährst, wie beim Anfahren, und „High Speed“ in entspechend schnellere Situationen. Diese zwei Stufen gibt es jedoch nicht bei allen Modellen, vielleicht kannst du diesen Teil also ignorieren. Ansonsten ist es wichtig, dass du einen passenden Kompromiss findest, damit dein Bike sowohl bei größeren Geschwindigkeiten stabil bleibt als auch allgemein einen guten Fahrkomfort bietet.

Die Zugstufe: Der Gegenpol zur Druckstufe

Dann gibt es noch die Zugstufe. Sie bestimmt, wie schnell die Gabel und der Stoßdämpfer ausfedern. Während die Druckstufe, wie oben beschrieben, eher harte Vorgaben hat und im Regelfall nur einmal eingestellt wird, verhält es sich bei der Zugstufe ein wenig anders. Diese beruht vor allem auf deinen Vorlieben als Fahrer und wird mittels der Zugstufenschraube verändert.

Oft ist es dabei sinnvoll, die Zugstufe an die örtlichen Gegebenheiten anzupassen, sie also im Hinblick auf den Parcours zu ändern. Es gilt: je schneller der Kurs und je mehr kleine Sprünge, desto langsamer sollte die Zugstufe sein. Hierfür wird die Zugstufenschraube deutlich weiter geschlossen als bei Kursen, auf denen sich eher weitläufige Kurven und viele gerade Streckenteile finden. Schau dir also genau an, wo du fahren möchtest, und passe dein Bike dann daran an.

Grundsätzlich gilt: Je größer die Zugstufe, desto eher ist das Bike auf dem Boden verwurzelt. Als Fahrer spürst du also bei zu großer Zugstufe jede Unebenheit sehr genau und bleibst ebenerdig, anstatt zu springen. Bei zu kleiner Zugstufe hingegen bringt dich jede kleine Bodenwelle zum Springen und du kannst leichter die Kontrolle über deine Maschine verlieren. Wie überall musst du also auch hier den passenden Mittelweg finden.

Anpassungen an die jeweiligen Gegebenheiten

Wie der letzte Punkt schon zeigt, sind viele Einstellungen nicht in Stein gemeißelt. Grundsätzlich gilt, dass du auch dann die Einstellungen verändern musst, wenn du dir neue Kleidung kaufst oder wenn sich dein Körpergewicht deutlich verändert. Denn in solchen Fällen stimmen deine einmal vorgenommenen Einstellungen nicht mehr mit der aktuellen Realität überein.

In vielen Fällen ist es darüber hinaus ratsam, diese an die Streckenführung und -beschaffenheit anzupassen. Daher findest du im Folgenden noch ein paar Beispiele, worauf du beim Studium der jeweiligen Strecke achten solltest, um die Fahrwerkseinstellungen deines Motocross perfekt darauf zuschneiden zu können.

  1. Die Beschaffenheit des Bodens

Hier ist zunächst entscheidend, ob der Boden eher hart oder eher weich ist. Das hat meist auch mit den verwendeten Bauelementen zu tun – also Sand, Asphalt und ähnliches. Außerdem spielt das Wetter eine Rolle, da starke Regenschauer zum Beispiel eine sandige Strecke in einen matschigen Sumpf verwandeln und schlammig werden lassen können. Damit verändern sich das Fahrverhalten und die Anforderungen an Mensch und Material. Du solltest also neben allen technischen Kenntnissen auch eine gute Wetterapp besitzen, um dich perfekt vorbereiten zu können.

Harte Böden haben meist zahlreiche Bodenwellen, die du durch ein eher weiches Fahrwerk ausgleichen kannst. Die Zug- und Druckstufen müssen dann also sowohl im Stoßdämpfer als auch in der Gabel etwas geöffnet werden, damit du nicht alle paar Meter durchgeschüttelt wirst. Ist der Boden weich, müssen sie entsrechend geschlossen werden, damit du zu jeder Zeit die Kontrolle über deine Maschine behalten kannst.

  1. Die Art der Strecke

Hat die Strecke viele enge Kurven oder ist sie weitläufiger und schneller? Gibt es viele Kicker oder eher wenige? Grundsätzlich gilt: je mehr Kurven, desto kürzer sollte der Radstand sein. Denn so behältst du immer die Kontrolle und kannst auch in Haarnadelkurven gut reagieren. Ist die Strecke eher gerade, so sollte der Fokus eher auf einer guten Beschleunigung liegen.

Immer weiter justieren

Es gibt viele Wege, mit denen du von den Grundeinstellungen deines Bikes abweichen kannst. Denn wir wissen alle, das die Werkseinstellungen zwar für die Masse gedacht sind, unseren individuellen Bedürfnissen aber nur in den seltensten Fällen wirklich entsprechen. Daher lohnt es sich, wenn du dich intensiv mit den Funktionen deines Fahrwerks auseinandersetzt – so kannst du die letzten Prozent aus deiner Motocross Maschine herauskitzeln.

Doch in vielen Fällen wird es nicht bei einer einmaligen Umstellung bleiben. Viele Punkte lassen sich mit der Zeit (und der damit wachsenden Erfahrung mit dem Bike) immer weiter perfektionieren. Andere Dinge, wie zum Beispiel die Zugstufe, solltest du immer den örtlichen Gegebenheuten anpassen.

Dazu ist es ratsam, dass du dir nach jeder Umstellung ausführliche Notizen machst. So kannst du festhalten, was du verändert hast, und wie sich das bei den entsprechenden Gegebenheiten auf deinen Fahrstil ausgewirkt hat. Auf diesem Wege wirst du mit der Zeit immer genauer merken, was du wann genau brauchst – und dank der passenden Feinjustierungen wirst du es von deinem Fahrwerk auch bekommen.

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